Mittwoch, 28.02.2007
Das Blog für Schiedsrichter im Interview
Hallo zusammen!
Wie sicher alle festgestellt haben, ist hier in letzter Zeit relativ wenig los, aber die liebe Arbeit lässt leider seit geraumer Zeit nicht mehr zu! Daher komme ich auch jetzt erst dazu, den Link für ein Interview, welches ich den Kollegen vom CAMPUSBLOG (fast vor einem Jahr) gegeben habe, online zu stellen. Also alle, die auch mal meiner kratzigen Stimme lauschen wollen, können ja mal hier klicken: http://www.campusblog.de/debss/folge9.mp3
Mittwoch, 28.06.2006
FIFA-WM 2006: die letzten Achtelfinale
2:0 unmittelbar vor der Pause: Zunächst steht Adriano im Mittelfeld im Abseits, wird aber nicht angespielt, sondern der Ball geht nach außen. Beim Lauf zum Tor befindet sich Adriano dann pausenlos in einer Abseitsposition, sprich vor dem vorletzten Verteidiger. So auch beim Pass, den er dann zum 2:0 verwandelt.
Mögliche Erklärung, warum der Assistent die Fahne nicht gehoben hat: durch den Sprint von fast der Mittel- bis zur Grundlinie, hat sich die Perspektive für ihn wohl derart verschoben, dass er die Abseitsposition nicht mehr richtig beurteilen konnte. Zumal die Abseitsstellung von Adriano in dieser Situation auch nur sehr knapp war. Das, was zu Beginn des Turniers immer wieder von vielen gefordert wurde, hat Assistent Martin Balko hier wohl umgesetzt: im Zweifel für den Angreifer.
Schade, dass dieses Abseits nicht erkannt wurde, denn das Spiel war zu diesem Zeitpunkt noch völlig offen...
Spanien ? Frankreich
27. Minute: Strafstoß für Spanien, der zum 1:0 führt. Keine Diskussion, der war in Ordnung, denn Thuram trifft nur die Beine von Ibanez. Nichts schlimmes, aber ein Foul.
41. Minute: Ausgleich zum 1:1. Thierry Henry steht (wie schon mind. 4 mal zuvor) im Abseits, greift aber nicht ein. Ribery ist nicht im Abseits, somit das Tor korrekt. Da sind die Spanier auf ihre eigene Abseitsfalle hereingefallen.
82. Minute: vor dem 2:1 Freistoß für Frankreich. Die Entscheidung von Roberto Rosetti (ITA) war korrekt, weil der Spanier Puyol Thierry Henry tatsächlich foult. Henry muss sich allerdings hier nicht so theatralisch fallen lassen und eine Tätlichkeit vortäuschen. Diese lag in der Tat nicht vor. Das Foul bestand in diesem Fall regeltechnisch vielmehr aus einem ?Sperren ohne den Ball spielen zu wollen?, was normal nur zu einem indirekten Freistoß geführt hätte. Da aber der Arm von Puyol ausgefahren ist und es zum Körperkontakt kommt, wird aus dieser Unsportlichkeit (Sperren) ein verbotenes Spiel, daher direkter Freistoß. Und die Gelbe Karte ist ebenso korrekt gewesen, weil mit diesem Foul eine gute Angriffsmöglichkeit der Franzosen verhindert wurde.
Montag, 26.06.2006
Italien ? Australien: Elfer schmeichelhaft, Rot korrekt
Im Spiel Italien gegen Australien gab es zwei strittige Entscheidungen. Zum einen war da der Platzverweis gegen Marco Materazzi (ITA) in der 50. Spielminute und der Strafstoß gegen Australien 10 Sekunden vor Ende der Nachspielzeit.
Rot für Materazzi korrekt
Auch wenn ARD-Kommentator Gerd Gottlob und Ex-Nationalspieler Günter Netzer es anders sehen: die Rote Karte gegen Materazzi war absolut korrekt. Noch bevor Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo (ESP) eine Karte aus der Tasche zog, rief ich vor dem Fernseher: ?ROT! Ganz klar!!!? Insbesondere vor dem Hintergrund des gestrigen Spiels zwischen Portugal und den Niederlanden, wo alle vom Schiedsrichter ein härteres Durchgreifen gefordert hatten, verwunderten mich dann die TV-Kommentare von Gottlob und Netzer.
Warum aber Rot? Die Frage lässt sich leicht beantworten: Materazzi springt mit beiden Beinen in der Luft in Richtung des Australiers und seines Mitspielers. Er kann dabei seine Bewegung in keinster Weise kontrollieren, da er keinen Körperteil mehr am Boden hat. Dann trifft er mit beiden ausgestreckten Füßen in gesundheitsgefährdender Weise ? und da ist Rot Pflicht ? zwar in erster Linie seinen eigenen Mitspieler, was aber für das Ausmaß der persönlichen Strafe keine Rolle spielt, höchstens für die Spielfortsetzung. Trifft er also in dieser Szene nur seinen eigenen Mann, wäre es Rot und ein indirekter Freistoß gewesen. Da aber der Australier Marco Bresciano auch noch zu Fall gebracht wird, ist die Spielstrafe direkter Freistoß. Somit lag Cantalejo mit beiden Entscheidungen goldrichtig!
Strafstoß für Italien
Fabio Grosso läuft von links in den Strafraum und kommt zu Fall, weil er sich beim am Boden liegenden Lucas Neill einhängt. Ich muss zugeben, dass diese Strafstoßentscheidung sehr schmeichelhaft war, besonders wenn man die Zeitlupe gesehen hat. Da Luis Medina Cantalejo diese aber nicht hatte, sage ich: das Ding ist so gerade noch vertretbar. Wenn man so ein Foul im Mittelfeld pfeift, sagt kein Mensch was und im Strafraum gelten nun mal die selben Regeln, wie in der Mitte des Spielfeldes. Andererseits hätte sich auch wohl keine beschwert, wenn hier der Pfiff ausgeblieben wäre. Aber vielleicht hatte der Spanier auch nur einfach keine Lust auf eine halbe, unbezahlte Überstunde :-) Aber Spaß bei Seite: regeltechnisch war hier noch interessant, dass nach der Strafstoßausführung das Spiel nicht wieder angepfiffen wurde. Auch dieses ist absolut korrekt, denn laut Regelwerk ist der Strafstoß die einzige Spielfortsetzung, zu der die Spielzeit verlängert werden muss! Im heutigen Fall also musste der Strafstoß noch ausgeführt werden, obwohl das Foul 10 Sekunden vor Ende der angezeigten Nachspielzeit passierte. Das Spiel endet ? wie heute dann auch zu sehen war ? mit der Ausführung bzw. der Wirkung des Strafstoßes. Selbst wenn der Ball ins Feld zurück gesprungen wäre, hätte Cantalejo das Spiel beendet bzw. beenden müssen.
Mittwoch, 21.12.2005
DFB-Pokal: Béla Réthy (ZDF) leistet Offenbarungseid
Die BILD schreibt einen Skandal im DFB-Pokal herbei, weil Schiedsrichter Michael Weiner im gestrigen Spiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Mainz 05 den Wembley-Elfer nicht gegeben hat, Béla Réthy fordert weiteren Elfer und wundert sich, dass der Schiedsrichter beim Elfmeterschießen in die Mainzer Kurve geht.
Ich vermute, den Aufmacher zum DFB-Pokal in der BILD haben wir unter anderem Herrn Réthy zu verdanken. Denn: In der zweiten Halbzeit spielt ein Mainzer den Ball im Strafraum angeblich mit der Hand. Es kommt auch die obligatorische Zeitlupe. In der sehe ich auch, dass der betreffende Spieler mit dem Arm Richtung Ball geht. ABER meiner Wahrnehmung nach, berührt er den Ball dann nicht mit dem Arm, was dann ohne Frage ein Strafstoß gewesen wäre, sondern mit der Schulter, und das ist nun mal erlaubt. Béla Réthy hingegen erkennt aus dieser einen Wiederholung zweifelsfrei, dass es ein Handspiel war. Immer unter dem Motto: Im Zweifel gegen den Schiedsrichter.
So auch beim betreffenden Strafstoß von Ferrydoon Zandi. Der Ball knallt von der Lattenunterkante auf den Boden. Aus normaler Geschwindigkeit nicht zu erkennen, ob der Ball (mit vollem Durchmesser) hinter der Linie war oder nicht. Es folgt die Zeitlupe von einer Kamera, die im Netz auf dem Boden des betreffenden Tores steht. In dieser Zeitlupe kann man höchstens erahnen, dass der Ball voll hinter der Linie war. Doch auch hier klares Bekenntnis vom ZDF-Mann: "Ganz klar, der war drin!" Zugegeben: Nachdem ich eine weitere Zeitlupe von der Seite gesehen und das Bild angehalten (!!!) habe, war es auch für mich zweifelsfrei ein Tor. Dass aber Michael Weiner und vor allem Assistend Karsten Kadach hier aus der normalen Geschwindigkeit heraus Zweifel gehabt haben, ist doch völlig logisch. Und der Regeltext sagt nun mal:
Bestehen Zweifel, ob der Ball vollständig im Tor war, soll der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen lassen.Man kann Weiner und Kadach also keinen Vorwurf machen.
Den Offenbarungseid leistet Réthy aber nach der Verlängerung, als Michael Weiner das Tor für die "Schüsse von der Strafstoßmarke" festlegte. Er meinte an dieser Stelle sinngemäß: "Michael Weiner hat offenbar ein Münze geworfen, um sich die Entscheidung leichter zu machen, auf welches Tor geschossen wird." Natürlich hat er das! Ich darf das Regelbuch zitieren, wo es im Anhang "Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers" in der Sektion "Schüsse von der Strafstoßmarke" heißt:
In Anwesenheit der beiden Mannschaftsführer weist der Schiedsrichter jeder Seite der Münze ein Tor zu. Der Münzwurf durch den Schiedsrichter entscheidet, auf welches Tor die Torschüsse von der Strafstoßmarke gespielt werden.
Montag, 12.12.2005
Tor oder nicht Tor, das ist hier die Frage
Zunächst einmal großes "Sorry" an alle Bundesliga-Fans, die hier gerne mal reinschneien, um sich über die Entscheidungen in der ersten Liga zu informieren. Aber in den letzten Wochen hatte ich einfach zu viel um die Ohren, als dass ich dazu gekommen wäre, nur ein einziges Spiel der BuLi zu gucken. Daher die unfreiwillige Blogger-Pause.
Im letzten Kommentar hier im Schiedsrichter-Blog wird folgende Frage gestellt:
Habe eine Frage! Habe mit einen Kollegen gewettet (100?) für einen Guten Zweck.Die Frage lässt sich schnell und einfach beantworten: Nein, kein Tor! Spielfortsetzung wäre in diesem Fall "Wiederholung", da der Ball nicht korrekt ins Spiel gebracht wurde. In der Regel 13 heißt es zu Freistößen im eigenen Strafraum:
Frage:
Es gibt einen Freistoß im eigenen Strafraum Der Spieler Schießt ins eigene Tor . Was gibt es Tor oder????
Würde mich sehr freuen Wenn Sie mir Antworten Könnten
Hochachtungsvoll.
Dieter Höhlich
Der Ball ist im Spiel, wenn er mit dem Fuß direkt aus dem Strafraum gestoßen wurde.[...]Wenn bei einem Freistoß der verteidigenden Mannschaft aus dem eigenen Strafraum der Ball nicht direkt ins Spiel gebracht wird, wird der Stoß wiederholt."Ins Spiel" heißt im Regeldeutsch: Der Ball muss aus dem Straufraum ins Spielfeld gestoßen werden. Da aber der Bereich hinter der Tor- bzw. der Torauslinie nicht zum Spielfeld gehören, ist die in den Regeln genannte Bedingung nicht erfüllt. Somit Wiederholung.
Ich will aber einen weiteren Fall skizzieren: Auch wenn ein Freistoß (egal ob direkt oder indirekt) außerhalb des Strafraumes direkt ins eigene Tor geschossen wird, darf nicht auf Tor entschieden werden. In diesem Fall gäbe es einen Eckstoß. Denn hier greift der Grundsatz "Aus einem Vorteil darf kein Nachteil entstehen."
Donnerstag, 24.11.2005
Die Fußball-Bundesliga: Der 13. Spieltag
Montag, 21.11.2005
5 x Rot
Sehr geehrte Damen und Herren,Wie schon eingangs im Zusatzbericht erwähnt, handelte es sich bei den GK nur vier Mal um ein Foul. Zweimal war Gelb zwingend, weil die Spieler die schnelle Freistoßausführung verhinderten, einmal wegen Ballwegschlagens und einmal wegen unsportlichen Verhaltens, weil ein Spieler seinen Gegner provozierte, der ihn dann auch in ebenso unsportlicher Weise zu Boden schubste. Dieses Schubsen führte unter anderem zu einer der beiden Gelb/Roten Karten. Die zweite GRK war dann "wenigstens" wegen wiederholten Foulspiels. Und das bereits nach einer halben Stunde. Daher ist es für mich noch unverständlicher, warum die Spieler es nicht begriffen haben, dass es einerseits bei diesen Bodenverhältnissen unmöglich ist, so zu spielen, und zweitens ich eine derartige Gangart nicht zulassen werde. Einziger Trost für mich: Nach dem Spiel bestätigten mir beide Trainer, dass die hohe Zahl der persönlichen Strafen nicht an mir gelegen hat, sondern die Spieler einfach übermotiviert waren.
bevor ich zur Darstellung der o.g. Punkte [Roten Karten, Anm. d. Red.] komme, darf ich festhalten, dass das Spiel dauerhaft durch Regen bzw. Nieselregen beeinträchtigt war. Somit wurde das Spielfeld immer rutschiger, in einigen Bereichen fast schlammartig. Außerdem darf ich festhalten, dass es sich grundsätzlich nicht um eine brutale Partie handelte, und die Roten Karten (s.u.) sind durchaus "Einzelfälle" und Entgleisungen einzelner Spieler gewesen. Bei den Gelben Karten gingen allein vier auf unsportliches Verhalten à la Ball wegschlagen, Verhindern der Freistoßausführung usw. zurück.
Nun zu den o.g. Feldverweisen:
1. In der 54. Spielminute beim Spielstand von 2:0 führte ein Wurzener Spieler im Mittelfeld (ca. 30 m von der eigenen Torauslinie entfernt) den Ball, als der Spieler HANSEN, Claus [Name geändert] (Delitzsch) zum Angriff ansetzte. Herr Hansen rutschte bei diesem Angriff aus ca. 2,5 bis 3 m von vorne auf seinen Gegner zu, der den Ball aber in diesem Moment schon abgespielt hatte. Somit bestand keine Möglichkeit mehr, den Ball noch spielen zu können. Durch den seifigen Boden traf Herr Hansen dann seinen Gegner mit unverminderter Geschwindigkeit und gefährdete somit die Gesundheit seines Gegners. Dieses Foul wurde von mir sofort mit einem Pfiff geahndet. Die Wurzener Mannschaftskameraden reagierten in entsprechend heftiger Form, so dass es fast zu einer Art Rudelbildung kam. Durch mehrere energische Pfiffe konnte ich das gerade noch verhindern und erst einmal die Behandlung des verletzt am Boden liegenden Spielers zulassen:
2. Als ich mich über den verletzten Spieler beugte, um ihn zu fragen, ob er eine Behandlung wünsche, sah ich aus dem Augenwinkel heraus, wie der Spieler LUPPOLD, Oscar [Name geändert] (Wurzen) einen Delitzscher Spieler heftig vor die Brust stieß, so dass dieser zu Fall kam.
Nachdem die Betreuer jetzt auf dem Weg zum Verletzten (aus dem unter 1. genannten Foul) waren, wurden beide Spieler von mir des Feldes verwiesen. Beide Spieler waren bis dato nicht negativ in Erscheinung getreten.
3. Nur kurz danach dann folgende Szene (58. Minute, 2:0):
Ein Delitzscher Spieler führte den Ball auf halblinker Position (ca. 15 m hinter der Mittellinie in der gegnerischen Hälfte) relativ frei in Richtung Wurzener Tor. Der Spieler WILKEN, Friedrich [Name geändert] (Wurzen) wollte diesen Angriff unterbinden. Aber auch hier war ein Schuss Übermotivation im Spiel, denn Herr Wilken rutschte von der Seite in Richtung seines Gegners. Der hatte sich mittlerweile den Ball ca. 4 m vorgelegt als Herr Wilken ihn "erwischte". Durch den glatten Boden hatte auch Herr Wilken kaum an Geschwindigkeit verloren, als er den Delitzscher traf und gefährdete somit die Gesundheit seines Gegenspielers. Zu dem war der Ball nicht mehr in Spielnähe. Somit wurde auch Herr Wilken von mir des Feldes verwiesen. Kurz zuvor (51. Spielminute) wurde er bereits von mir wegen eines Foulspiels verwarnt.
P.S.: Spätestens am Mittwoch gibt es ein paar Worte zum 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga.
Dienstag, 08.11.2005
Die Fußball-Bundesliga: Der 12. Spieltag
Bayer 04 Leverkusen ? Borussia Dortmund
Ausgerechnet der deutsche Vorzeige-Schiri Dr. Markus Merk sieht ? aus meiner Sicht ? in drei Szenen nicht so aus, wie es wünschenswert wäre: In der 35. Spielminute grätscht Dimitar Berbatov den Dortmunder Markus Brzenska von hinten um. Der Ball ist bei Beginn dieses Angriffs für Berbatov nicht wirklich spielbar. Dann kommt dazu, dass er Brzenska voll am Knöchel trifft und der Borusse sogar verletzt ins Krankenhaus muss. Daher ist es für mich völlig unverständlich, warum hier die fällige Rote Karte von Dr. Merk in der Tasche bleibt. Wenn von uns Schiedsrichtern in den unteren Klassen gefordert wird, wir sollen die Gesundheit der Spieler schützen, dann muss (!) Markus Merk hier mit bestem Beispiel voran gehen und Rot zeigen ? ohne Wenn und Aber!
Im Zusammenschnitt der Sportschau dann kurz danach im runden Vergrößerungsbild eine Attacke von Christian Wörns gegen Bernd Schneider. Der Ball ist mindestens 4 Meter entfernt, somit nicht in Spielnähe, als Wörns ? meiner Ansicht nach mutwillig ?seinen Ellenbogen ins Gesicht von Schneider rammt. Ich weiß nicht, wie Markus Merk diese Szene wahrgenommen hat, aber Gelb ist hier eindeutig fehl am Platz. Es handelte sich hier nicht um einen Zweikampf um den Ball bei dem der Ellenbogen etwas zu hoch gehalten wurde, sondern um eine klare Tätlichkeit! Auch hier wäre ein Feldverweis zwingend gewesen.
Kurz vor Schluss dann die dritte Fehlentscheidung des Kaiserslauterers, als Dede Paul Freier im Strafraum stößt. So wie Freier fällt, konnte es sich nur um ein Foul handeln, das war auch schon ohne Zeitlupe gut zu erkennen. Hier könnte man Merk aber zu Gute halten, dass ihm eventuell die Sicht versperrt war und er das Stoßen nicht richtig erkennen konnte. Dennoch schade, von Merk ist man Besseres gewöhnt.
Mittwoch, 02.11.2005
Blogger-Pause beendet
Mittwoch, 05.10.2005
Kleine Blogger-Pause
Mittwoch, 28.09.2005
Die Fußball-Bundesliga: Der 7. Spieltag
MSV Duisburg ? 1. FC Nürnberg
DAS Thema dieses Spieltags: Das nichtgegebene Tor von Markus Daun. Schiedsrichter Peter Gagelmann ließ in der 7. Spielminute weiterspielen, obwohl das halbe Stadion (zumindest die Clubberer) jubelte und wurde nach dem Spiel dafür scharf kritisiert. Was war passiert? Daun schießt und Georg Koch fischt den Ball aus dem Tor. Das Zeichen von Assistent Matthias Anklam, dass der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat, bleibt aber aus. Die Zeitlupe zeigt aber, der Ball ist hinter der Linie. Oder vielleicht doch nicht? Das Problem an den TV-Bildern, die wieder einmal von allen Medien als das Maß aller Dinge betrachtet werden, sprechen aus meiner Sicht nicht zweifelsfrei die Wahrheit. Was von allen Seiten wieder einmal vergessen wird, ist die Tatsache, dass Fernsehbilder nur zweidimensional sind. Für eine korrekte Beurteilung dieser Szene ist aber eine dreidimensionale Sicht der Dinge notwendig. So wird die Wölbung des Balles bei der Berichterstattung völlig außer Acht gelassen. So könnte nur ein Kamera, die in der Verlängerung der Tor- und Toraus-Linie steht, die Szene ohne Zweifel klären. Meine erste Reaktion war zugegebener Maßen auch: der war drin! Nach mehrfacher Betrachtung meines Videos hingegen wurde ich immer unsicherer, weil ein Ball nun mal kein Kreis, sondern eine Kugel ist. So ist auch die Aussage Gagelmanns nach dem Spiel zu werten:
"Man hat nicht gesehen, ob der Ball die Linie voll überschritten hat."So wird SRA Mathias Anklam entweder genau gesehen haben, dass noch ein halber Zentimeter des Balles auf der Linie war, oder zumindest berechtigte Zweifel gehabt haben, ob der Ball vollständig hinter der Linie war. Und auch bei uns SR gilt der Rechtsgrundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten"; in diesem Fall für den MSV. Was heißt aber im Sinne der Regel "vollständig"? Dazu hat der DFB diese Grafik ins Regelheft eingebaut:

Auch das Bundesliga-Blog hat sich mit dieser Szene auseinander gesetzt und zum Thema Video-Beweis Stellung bezogen. Meine Antwort auf die Frage des BL-Blogs: Nein, obwohl ich sagen muss, dass der Chip im Ball nicht so schlecht ist. Der hätte in diesem Fall geholfen. Den Video-Beweis lehnen ich aber aus o.g. Gründen nach wie vor ab.
FC Schalke 04 ? Hannover 96
Warum blieb in diesem Spiel der Strafstoßpfiff von Peter Sippel aus, als Sören Larsen im Strafraum zu Boden gerissen und zudem noch angesprungen wird? Klare Fehlentscheidung, aber erklärbar: vorangegangen war ein Freistoß für die Gelsenkirchener. Die Mauer steht fast auf der langen Strafraumlinie. In der Verlängerung dieser Strafraumlinie steht Peter Sippel, um die korrekte Ausführung zu überwachen; das ist vom Stellungsspiel her nicht falsch. Nach der Freistoßausführung hingegen bewegen sich zu viele Spieler in die Sichtlinie des SR. Der Tatort liegt fast im Torraum auf der Seite von SRA Josef Maier, so dass nahezu alle Feldspieler die Sicht Sippels verdecken, weil sie zentral im Strafraum stehen. Vielleicht hätte Maier das Vergehen anzeigen können, aber dazu war es zu weit von ihm entfernt und zudem nicht eindeutig genug, als dass man als SRA hier in den Strafraum eingreift, die Unsicherheit ist auf die Entfernung zu groß. Da kann man nur sagen: dumm gelaufen.
FSV Mainz 05 ? Borussia Dortmund
Schiedsrichter Michael Weiner entscheidet in der 63. Minute auf Strafstoß, der von ARD-Mann Dirk Schmidt als "zweifelhaft, trotz Berührung" bezeichnet wird. Das ist aber nicht korrekt. Hier rempelt bzw. stößt Sebastian Kehl den Mainzer Petr Ruman in den Rücken, ein klares (nie und nimmer zweifelhaftes) Vergehen im Sinne der Regel 12, somit ist der Strafstoß, der zum 1:0 führt, absolut korrekt!
In den Kommentaren zum 1. & 2. Spieltag wird zu Recht die Frage gestellt "Welcher Körperkontakt ist erlaubt?". Das ist schnell beantwortet. In der Regel 12 heißt es:
Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoß für die gegnerische Mannschaft, wenn er einen der nachfolgend aufgeführten sechs Verstöße nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz begeht:Diese Regelgrundsätze werden durch die Anweisungen der FIFA und des DFB wie folgt präzisiert: das einzige Rempeln, was ausdrücklich erlaubt ist, ist das Rempeln Schulter an Schulter mit angelegtem Arm, wenn der Ball in Spielnähe ist. Alles andere bedeutet: Frei- bzw. Strafstoß.
- einen Gegner tritt oder versucht, ihn zu treten,
- einem Gegner das Bein stellt oder es versucht,
- einen Gegner anspringt,
- einen Gegner rempelt,
- einen Gegner schlägt oder versucht, ihn zu schlagen,
- einen Gegner stößt.
Der gegnerischen Mannschaft wird ebenfalls ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler einen der nachfolgenden vier Verstöße begeht:
- beim Tackling im Kampf um den Ball den Gegner vor dem Ball berührt,
- einen Gegner hält,
- einen Gegner anspuckt,
- den Ball absichtlich mit der Hand spielt (dies gilt nicht für den Torwart in seinem eigenen Strafraum)
Montag, 26.09.2005
Unterirdische Schiedsrichterleistung
Während der kompletten zweiten Hälft schlich der Sportkamerad über den Platz, wirkte permanent so, als würde ihn das Spielgeschehen nicht interessieren. Auftreten und Körpersprache waren mangelhaft: beim Anzeigen von Vorteilssituationen, hatte man den Eindruck, der SR wolle mit seinen nicht vorhandenen Flügeln schlagen und vom Platz fliegen. Dazu kommt, dass die Vorteilsbestimmung falsch angewandt wurde. So entschied der Kollege auf Vorteil, obwohl ein Esenshamer weit in der eigenen Hälfte vom Angreifer gefoult wurde (auch vom ausgezeichneten SRA1 angezeigt). Hier wird unverständlicherweise der Assistent runter gewunken. Es kam daraufhin, was kommen muss: Esensham verliert auf Höhe der Mittellinie den Ball, der vermeintliche Vorteil ist pfutsch.
Ebenso das Stellungsspiel: bei Abstößen und Freistößen für die jeweils verteidigende Mannschaft lief der Sportkamerad mit dem Rücken zum Spielgeschehen Richtung Mittellinie. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, tat er dies auch im laufenden Spiel. Dazu passt dann, dass er den Mauerabstand bei Freistößen auch vorwärts abschritt und nicht (wie es sich gehört) im Rückwärtsgang, um den Ball im Blick zu halten.
Auch andere Anweisungen wurden falsch ausgelegt: Ein verletzter Spieler geht vom Platz, um sich behandeln zu lassen, das Spiel wird fortgesetzt. Somit liegen eigentlich alle Voraussetzungen vor, um den Spieler wieder ins Spiel zurück kehren zu lassen, sobald die Behandlung abgeschlossen ist. Diese dauerte aber etwas länger. Der Ball befindet sich mittlerweile auf der anderen Seite des Spielfeldes im Toraus, es gibt Abstoß und der Spieler bittet um Wiedereintritt. Dieser wird aber vom SR verwehrt. Erst nachdem das Spiel mit dem Abstoß fortgesetzt wird, gibt es die Zustimmung des SR. Er hat hier ganz offensichtlich die Regel nicht richtig verstanden. Da der Spieler in der Spielruhe zuvor das Feld verlassen hatte, um sich behandeln zu lassen, und das Spiel bereits fortgesetzt war, hätte das zustimmende Zeichen in der o.g. zweiten Spielruhe erfolgen können.
Aber nicht nur diese Regelunkenntnis war auffallend, sondern auch die vielmals falsche Bewertung von Zweikampfszenen. So wurde oft auf Freistoß ohne erkennbaren Verstoß gegen die Regel 12 entschieden bzw. ? wenn denn ein Verstoß vorlag ? der Freistoß der falschen Mannschaft zugesprochen.
In dieses Bild fügte sich dann SRA2 ein, dessen Fahnenzeichen bei Vergehen gegen die Regel 12 mehr an die Fahnenschwenker von Düsseldorf-Lohausen als an einen Schiedsrichter-Assistenten erinnerten.
Was sagt uns das? An dieser SR-Leistung zeigt sich der eklatante Schiedsrichtermangel im Bezirk Weser-Ems. In Bezirken und Kreisen in denen ausreichend SR zur Verfügung stehen und ein höherer Konkurrenzdruck herrscht, pfeift ein SR mit den oben genannten "Qualitäten" allenfalls in der 2. Kreisklasse.
Freitag, 23.09.2005
Fußball-Bundesliga: Der 6. Spieltag ? ein Nachtrag
Eintracht Frankfurt ? FC Bayern München
Dieses Spiel ging in der ersten Minute gleich richtig los: Freistoß für die Bayern von der linken Seite. Der Ball kommt in den Strafraum (ca. 5er) und Jermaine Jones will klären. Nur leider steht ihm dabei Karimi im Weg. Somit trifft Jones nicht den Ball, sondern nur den Bayern-Spieler und dennoch kein Pfiff. Schade, denn das wäre ein Strafstoß gewesen. Kollege Kircher räumt im DSF nach Betrachtung der Fernsehbilder sogar selbst ein, dass es ein 11er gewesen wäre und bedauerte es, dies nicht gesehen zu haben. So was kommt vor.
Dann die Szene, die gestern zur Sperre von Jermaine Jones führte (der DFB-Kontrollausschuss hat den Frankfurter für drei Spiele gesperrt): Wiederum Freistoß für den FC Bayern. Während Knut Kircher sich um die Mauer und den Freistoß-Schützen kümmert, plötzlich Hektik im Strafraum, Ismaël liegt am Boden. In der Wiederholung aus einer anderen Kameraperspektive sieht man, wie der Münchner zu Boden gerissen wird und Jones anschließend bewusst auf den Arm des Franzosen tritt. Für Kircher ist das nicht zu sehen und leider hat Assistent Wolfgang Walz dieses Vergehen auch nicht wahrgenommen. Das war eine klare Tätlichkeit, Rot also! Aber sei's drum: gerade weil das SR-Gespann dies nicht gesehen hat, konnte der Kontrollausschuss Anklage erheben und das Sportgericht die Sperre verhängen.
Aber diese Szene ist noch nicht vorbei, denn bei der anschließenden Freistoßausführung kommt es erneut zu turbulenten Szenen im 16er: gleich zwei Fouls werden hier von Knut Kircher nicht geahndet. Zunächst wird ein Bayernspieler umgerissen (erkennt man zugegebener Maßen erst in der Hinter-Tor-Perspektive) und dann klares Foul (das ist aus dem laufenden Spiel sogar gut zu erkennen gewesen) an Sebastian Deisler. Man muss Kircher hier aber zu Gute halten, dass er (zu Recht) den Vorteil abwartet. Deisler kann seinen Schuss sogar noch anbringen, der den Ball gegen die Latte krachen lässt. Leider vergeht hier dann so viel Zeit, dass ein verzögerter Pfiff auch aus meiner Sicht nicht mehr möglich war. Knifflig, zu ungunsten der Bayern und leider auch zu ungunsten Kirchers. Und daher kommt es dann auch anschließend, wie es kommen muss: Rudelbildung, provoziert von Chris, der nach der Spielunterbrechung Deisler anrempelt. Dieser reagiert auf die Provokation, es kommt zum "Rudel". Beide Spieler erhalten dafür Gelb, ich denke das war ausreichend.
Bayer 04 Leverkusen ? 1. FC Köln
Gestern versprochen, kurze Nachbetrachtung der beiden Feldverweise gegen Schneider und Scherz: Das, was man in den mageren TV-Bildern erkennen kann, zeigt zunächst ein heftiges Schubsen vom Leverkusener, auf das Scherz mit einem "Schlag" reagiert. Leider lassen die Bilder eine exakte Analyse nicht zu. Was man aber in den Bildern genau erkennt: SRA Carsten Kadach hat freien Blick auf das Geschehen und reagiert sofort. Daher sage ich: der hat's am besten gesehen, 2 x Rot ist in Ordnung.
Hertha BSC ? MSV Duisburg
Starten wir mit der Situation vor dem1:1. Die komplette Abwehr der Berliner reklamiert hier nach dem Treffer Abseits. Aber da lag die Abwehr daneben und Schiedsrichter-Assistent Michael Sahler richtig. Beim ersten Abspiel auf Ahanfouf steht dieser höchstens auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Berliner. Bei seinem Abspiel dann auf den Torschützen steht Grlic hinter dem Ball. Also beide fraglichen Abspiele sind ohne Abseitsposition.
Dann zur Rudelbildung in diesem Spiel (es gab an diesem Abend-Spieltag übrigens viele Rudel): in der letzten Szene vor der Pause hält Bastürk bei einem Abspielversuch eines Duisburgers den Fuß drüber. Das Brisante an dieser Szene: Markus Merk hatte das Spiel bereits mit einem Pfiff unterbrochen! Im Anschluss beugt sich der Berliner Kovac in provozierender Weise über den verletzt am Boden liegenden Duisburger (leider ging irgendwie unter, welcher Spieler hier eins auf die Knochen bekommen hat). Baelum lässt sich jedenfalls provozieren, es kommt also zum bereits erwähnten Rudel. Die Folge auch hier Gelb gegen Kovac und Baelum. Was ich aber bemängeln muss: der Deutsche Muster-Schiri Markus Merk vergisst die Verwarnung für Yildiray Bastürk. Denn das "Fuß drüber halten" muss (!) mit mindestens Gelb geahndet werden. Bei strenger Auslegung kann es hier auch Rot sein, weil die Gesundheit des Gegner gefährdet wurde. Das ist leider bei der Hektik völlig untergegangen.
Abschließend zu diesem Spiel ein Blick auf den Strafstoß, der zum 2:2 für die Berliner führt. ARD-Kommentator Andreas Witte meint zu dem klaren Umreißen (Fathi geht hier zu Boden): "Kann man geben." Ich sage nein, den muss man geben. Die Einsatz von Tjikuzu war ganz klar verbotenes Spiel im Strafraum, das bedeutet nun mal Strafstoß.
1. FC Nürnberg ? Schalke 04
Hier nochmals ein kurzer Blick auf den Platzverweis gegen Bajramovic: Wie bereits gestern beschrieben, war Gelb hier das Minimum. Cantaluppi hat den Ball, als der Schalker ihn aber trifft ist der Ball ? sehr schön aus der Kameraperspektive hinter Bajramovic zu sehen ? für ihn nicht mehr erreichbar. Er kann nur noch den Franken und nicht mehr den Ball treffen. Wenn Bajramovic hier zurückzieht, was ohne Frage möglich gewesen wäre, passiert nichts. So aber ist der Körperkontakt nicht mehr abzuwenden und die Gesundheit des Gegners gefährdet. Leider hatte Lutz Wagner eine andere Perspektive und somit gab's dann nur Gelb.
Donnerstag, 22.09.2005
Fußball-Bundesliga: Der 5. & 6. Spieltag
Hertha BSC ? MSV Duisburg
In diesem Spiel war gestern Abend so viel Pfeffer, dass man hier keinen Schnellschuss landen kann. Ausführliche Auswertung folgt daher in den nächsten Tagen, da ich mir die Aufzeichnung noch einmal ansehen muss.
Hannover 96 ? VfL Wolfsburg
Nach dem 0:3 im DSF: Großaufnahme vom Schiedsrichter-Assistenten Jan Hendrik Salver. Beim vorangegangenen Abspiel Sarpeis auf Klimovicz wird Abseits vermutet. Das TV-Bild wird auch kurz angehalten, anders aber als in der ARD üblich, wird keine Linie eingezogen, so dass nicht ganz deutlich wird, ob nun eine Abseitsposition vorlag oder nicht. Dazu erst einmal einen herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen vom DSF, denn genau hier wird folgendes deutlich: Man ist sich nicht 100%ig sicher, ob's Abseits war oder nicht. Es greift also der Grundsatz "in dubio pro aggressore" (Im Zweifel für den Angreifer). Wenn man dann allerdings eine Video-Aufzeichnung hat und sich mehr Zeit für diese Szene nehmen kann, ist von einer Abseitsposition auszugehen. Diese ist allerdings so knapp und ohne weiße Linie nur zu erahnen. Von daher kein Vorwurf an Salver, das hätte jeder so entschieden und war auch richtig so.
Zweite interessante Szene in diesem Spiel: die Gelbe Karte von Schiedsrichter Markus Schmidt gegen D'Alessandro. Vor dem 1:4 führt D'Alessandro den Freistoß aus, ohne auf den Pfiff bzw. die Freigabe Schmidts zu warten. DSF-Reporter Uwe Morawe beurteilt die persönliche Strafe als "etwas kleinlich". Das ist aber falsch. Kleiner Blick in die Regel 13 ist hier hilfreich. In Anweisung Nr. 2 des DFB heißt es:
"Fordert die zum Freistoß berechtigte Mannschaft die Einhaltung der 9,15-m-Entfernung vom Ball, soll der Schiedsrichter die Entfernung feststellen, aber durch ein unmissverständliches Zeichen verhindern, dass der Freistoß vor der Freigabe des Balles ausgeführt wird. Wird der Freistoß trotzdem ausgeführt, so ist er zu wiederholen und der schuldige Spieler ist zu verwarnen."Das bedeutet, der SR hat gar keine andere Wahl, als hier Gelb zu zeigen, diese ist hier Pflicht. Ansonsten heißt es im Beobachtungsbogen in der Rubrik "Umsetzung von Anweisungen und Bestimmungen" Punktabzug. Von daher braucht D'Alessandro hier auch anschließend gar nicht seine Schauspielkünste unter Beweis zu stellen, schließlich sollte jeder Spieler die Regeln kennen. Somit hätte der Wolfsburger diese GK selbst verhindern können. In der Kreisliga hätte ich für diesen Hohn gleich Gelb wegen unsportlichen Verhaltens bzw. Kritisierens von SR-Entscheidungen hinterher gezogen und den Spieler mit Gelb/Rot vom Platz gestellt.
Bayer 04 Leverkusen ? 1. FC Köln
Hier gab es für Carsten Ramelow und Lukas Podolski nach einer "Rudelbildung" Gelb. Zuvor hatte Ramelow den Kölner ? nennen wir's mal ? umgerannt, der dann beim Umfallen sein Bein etwas hoch zieht. Daraufhin wurde Blondschopf Ramelow etwas ungehalten und es wurde hektisch. Ich denke Florian Meyer lag hier mit Doppel-Gelb richtig.
Ebenfalls in diesem Spiel: Doppel-Rot nach einem "Schlagabtausch"(?) im Strafraum zwischen Matthias Scherz und Bernd Schneider, angezeigt von Assistent Carsten Kadach, da im Rücken Meyers. Auch hier sieht es so aus, als hätte das SR-Gespann richtig gelegen. Aber nach genauer Sichtung der Bilder auch zu diesen Szenen in den nächsten Tagen mehr.
1. FC Kaiserslautern ? Mainz 05
Ciriaco Sforza kassiert in der 44. Spielminute Rot. Auch wenn auf der FCK-Homepage die Entscheidung als "sehr hart" deklariert wird, war sie absolut richtig! Diese Rote Karte vom Unparteiischen Dr. Wack ist ZWINGEND vorgeschrieben. Wie ARD-Sprecher Gerd Gottlob richtig kommentiert, ist es "reiner Zufall, dass Sforza [auch] (Zusatz. d. Red.) den Ball trifft". Diese Attacken sind es, die im Regelheft gemeint sind, wenn es in der Regel 12 in den Entscheidungen des International Football Assosiation Board unter Nr. 4 heißt:
"Ein Tackling, welches die Gesundheit eines Gegners gefährdet, ist als grobes Foul zu ahnden."In der letzten Saison stand hier noch der Zusatz "Tackling von hinten", dieser wurde aber gestrichen. Aber selbst dies wäre bei diesem brutalen Foul vom Lauterer ebenfalls zutreffend gewesen.
1. FC Nürnberg ? Schalke 04
In der 88. Spielminute sieht Zlatan Bajramovic seine zweite Gelbe Karte in diesem Spiel, die zum Spielausschluss führt. Ohne jetzt näher auf die Szene eingehen zu wollen (folgt in den nächsten Tagen), kann ich vorab nur sagen: Der Schalker kann sich für Gelb noch bedanken. Wenn er für dieses Ding glatt Rot sieht, beschwert sich niemand; sicherlich ein Grenzfall.
Der 5. Spieltag
Die Bänder vom 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga sind analysiert und in drei Spielen sind mir nennenswerte Entscheidungen aufgefallen.
1. FC Köln ? VfL Borussia Mönchengladbach
In der 81. Spielminute steuert Thomas Broich auf das Gehäuse der Kölner zu und wird dabei von Rolf-Christel Guié-Mien am Trikot gehalten. Dieses Halten beginnt vor dem Strafraum. Broich läuft zunächst weiter, um einen eventuellen Vorteil zu nutzen. Im Strafraum kommt er dann zu Fall und ohne zu zögern entscheidet Schiedsrichter Dr. Markus Merk auf Strafstoß. Und das war richtig. Das Halten wird bis in den Strafraum fortgesetzt wo der Vorteil dann erlischt und somit liegt der Tatort im 16er. Anders wäre es gewesen, wenn das Halten vor dem Strafraum beendet worden wäre. Dann hätte es nur einen Freistoß gegeben.
HSV ? Eintracht Frankfurt
Vor dem 1:0 in der 85. Spielminute beschreibt ARD-Kommentator Steffen Simon die Szene mit den Worten "[...] an der Grenze zum Aufstützen [...]", weil sich Bastian Reinhardt angeblich auf Christian Henning gestützt haben soll. In der Zeitlupe kann man aber erkennen, dass sich der Arm von Reinhardt zunächst in Richtung Schulter bewegt, allerdings unmittelbar vorm Zusammentreffen der beiden Spieler angelegt wird. Zeitgleich springt Chris hoch und anschließend kommt es zum Körperkontakt. Es sieht daher so aus, als hätte sich Reinhardt hier nicht regelgerecht verhalten. Das stimmte aber nicht, da ? wie beschrieben ? die Arme angelegt sind und Reinhardt sich damit regelkonform verhält. Somit lag Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hier richtig. Auch Sportschau-Mann Simon spricht nicht von verbotenem Spiel, sondern von einem Grenzfall. An seinem Kommentar ist daher ebenfalls nichts auszusetzen.
Werder Bremen ? Borussia Dortmund
Das Foul an Johan Micoud (wird im Strafraum von Kehl am Trikot gehalten) muss kurz angesprochen werden: Kommentator Stefan Schiffner kann in dieser Situation nicht verstehen, warum der Unparteiische Dr. Franz-Xaver Wack den fälligen Strafstoß verweigert. Wenn man sich diese Szene aber noch einmal genau ansieht, stellt man fest, dass das Stellungsspiel Wacks nicht das Beste ist. Erstens: Im Bereich des Tatorts (am Torraum) befinden sich 5 Spieler (3 Dortmunder, 2 Bremer), so dass dieser Bereich schon sehr unübersichtlich ist. Wack steht hier weit außerhalb des Strafraums und beugt sich nach links, um ? zweitens ? auch noch an zwei weiteren Spielern vorbei zu schauen, die ihm die Sicht verdecken. Denn zwischen Wack und dem fraglichen Pulk befindet sich je ein weiterer Bremer und ein Dortmunder Spieler. In dieser Szene zeigt sich, wie wichtig es ist, auch als SR bis in den 16er vorzudringen. Leider zeigen die Fernsehbilder nicht, wo Schiri Wack vor dem Foul stand und ob es vom Stellungsspiel her möglich war, besser als es der Fall war zu stehen. Die Bremer wird?s jedenfalls nicht mehr ärgern, denn auch ohne Strafstoß wurden die Dortmunder bezwungen.
Schließen wir mit den Worten Giovanni Trapatonis:
"Ich glaube, Trainer sind wie Fisch. Wenn sie frisch sind, sind sie gut, aber nach einer Weile fangen sie an zu stinken."